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Totalverlust, Mittelmaß oder Performance mit Turbolader?

2011-06-15 10:05 von pnickel (Kommentare: 0)

Ein Systemcheck von Stephan Alles-Feldhoff

Selbst Börsenstrategien oder Handelssysteme, die über einen relativ langen Zeitraum eine hohe Performance nachweisen, erleben plötzlich extreme Kursverluste – manchmal sogar bis hin zum Totalverlust. Mit relativ einfachen Mitteln lassen sich Systeme, die später zu einer verheerenden Kapitalvernichtung führen können,  bereits im Vorfeld entlarven. Anhand eines praktischen Beispieles erläutert Stephan Alles-Feldhoff, Chef des Instituts für fraktale Börsenanalyse, einen Mechanismus, der selbst von Anlageexperten immer wieder unterschätzt wird: Das Moneymanagement.

Wer das Moneymanagement bewerten kann, lässt sich nicht von guten Zahlen blenden. Die Kenntnisse um das Moneymanagement bieten zwar keine Gewähr dafür, dass der Handelsansatz auch in der Zukunft profitabel ist. Aber sie zeigen selbst bei äußerst positiven Risikokennzahlen das Gefahrenpotenzial – und zwar bevor es zu massiven Verlusten kommt. Zur Veranschaulichung nehmen wir ein Handelssystem, das im Jahr 2009 von einem amerikanischen Unternehmen auf den Markt gebracht wurde. Zum Verkaufsstart lag, im Gegensatz zu vielen anderen Systemen die neu auf den Markt kommen und deren Vergangenheitsergebnisse nur über Backtests oder Demokonten nachgewiesen wurden, bereits ein 1-jähriger Track-Record auf einem real gehandelten Konto vor.

Der Chartverlauf dieses Handelssystems müsste eigentlich das Herz eines jeden Investors höher schlagen lassen:

Grafik 1
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Um zu erkennen, wie gut ein Handelssystem oder eine Börsenstrategie tatsächlich ist, muss man den Chart „bereinigt“ vom Einfluss des Moneymanagements betrachten. Professionelle Systemtester prüfen daher zunächst einmal, wie das Ergebnis im Handel unter Einsatz einer festen Positionsgröße, also mit einer immer gleich großen Position ausgesehen hätte:

Grafik 2
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Dieser erste einfache Systemcheck gibt bereits Auskunft darüber, ob ein Handelssystem überhaupt Aussicht auf dauerhaften Erfolg hat. Während das hier betrachtete Handelssystem mit dem durch das Unternehmen integrierte Moneymanagement über 12 Monate mit exakt 50 Trades einen Gewinn von ca. 51% erzielt hat, hätte der Handel mit einer gleich bleibenden Positionsgröße einen Verlust von 6% ergeben. 

Neben der wesentlich schlechteren Performance fallen signifikante Abweichungen in den Auf- und Abwärtsphasen dieses Handelssystems auf. Als Beispiel sei hier der Bereich der Trades Nr. 33 bis 35 (Abwärtsphase) und der anschließende Gewinntrade Nr. 36 genannt.

Grafik 3
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Während das Handelssystem mit seiner im Original gehandelten Positionsgröße einen Rückgang von 22% (bezogen auf das Ursprungskapital) erlitt, fällt die Variante mit der festen Positionsgröße lediglich um 8%. Im anschließenden Trade 36 legt das Originalsystem jedoch bereits wieder um 15% zu, während der Handel mit der festen Positionsgröße lediglich einen Zuwachs von 3% erzielt. Verantwortlich dafür ist die eingebaute Martingale. Als Martingale bezeichnet man ein Spielsystem, bei dem der Einsatz im Verlustfall erhöht wird. Nach jedem Verlusttrade wird die Positionsgröße erhöht (hier jedoch nur um 1 und nicht wie in einigen Martingale-Verfahren üblich verdoppelt). Da in der Abwärtsbewegung vier Trades nacheinander in den Verlust laufen und die Positionsgröße jedes Mal um 1 erhöht wird, kommt der relative hohe Verlust von 22% zustande. Da jedoch auch nach dem letzten Verlusttrade die Positionsgröße wieder um 1 erhöht wird, reicht bereits der darauf folgende Trade um einen Großteil des Verlustes zu kompensieren.

An dieser Stelle sollte jeder, der sein Kapital dauerhaft vermehren möchte, den Test beenden und das System unbedingt aussortieren. Es ist nämlich nur eine Frage der Zeit, bis eine Reihe größerer Verluste oder aber eine längere Verlustserie ohne ausreichende Zwischenerholungen, das Handelskapital vollständig aufzehrt.

Aber: Bei einer guten Handelsstrategie kann das richtige Moneymanagement die Performance deutlich erhöhen – und zwar ohne das Risiko zu vergrößern!

Dabei sollte das Moneymanagement zwei Ziele verfolgen:

1.Anleger sollen möglichst gut vor den negativen Auswirkungen längerer Verlustserien bewahrt werden. Hier bietet sich das Anti-Martingale-Verfahren an, dass wir beim Handel unserer Fraktal-Handelssysteme einsetzen. Es -verringert die Positionsgröße in Verlustserien bis auf einen Bruchteil der normalen Positionsgröße und schützt Investoren so vor extrem ausufernden Verlusten.

2.Das Moneymanagement muss jedoch nicht auf eine reine Schutzfunktion beschränkt bleiben, sondern kann aktiv dazu beitragen, den Anlageerfolg zu „pushen“. Wir erreichen dies, indem wir in Gewinnphasen die Positionen konsequent vergrößern oder sogar aufstocken. Das bereits vor dem Beginn des jeweiligen Trades definierte Maximalrisiko  wird bei diesem Verfahren zu keinem Zeitpunkt überschritten, denn schließlich befindet sich der erste Trade bereits in der Gewinnzone und wird mit permanent nachgezogenen neuen Stop-Loss-Marken abgesichert.

Grafik 4
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Zum Vergleich ein fraktales Handelssystem (Grafik 3) ohne Moneymanagement (gehandelt konstant 1 Lot, max. Anfangsrisiko pro Position von 2 %) und das gleiche Handelssystem mit aktivem Moneymanagement:

Grafik 5
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Die Unterschiede im Anlageergebnis einer profitablen Strategie durch ein ausgeklügeltes Moneymanagement fallen selbst für Anlageexperten unerwartet groß aus. In Beispiel 2 werden nicht nur die – leider unvermeidbaren Verluste – in Grenzen gehalten. Gleichzeitig erreicht man mit der aktiven Steuerung der Positionsgröße im Handelsverlauf deutlich bessere Ergebnisse. Obwohl der Handel von Beispiel 1 und Beispiel 2 auf den gleichen Handelssignalen basiert, konnte der Ertrag um mehr als das sechsfache gesteigert werden. Eine Ausweitung des anfangs festgelegten Risikos war hierzu nicht notwendig.

Es zeigt sich, dass für dauerhaften Anlageerfolg zwar ein solides Handelssystem die eigentliche Basis bildet. Doch hoch entwickelte Moneymanagementsysteme können die Leistung des Gesamtkonzepts maßgeblich beeinflussen und als Turbolader für den eigentlichen Handel arbeiten.

Der Autor Stephan Alles-Feldhoff ist Chef des Schweizer Analysehauses SUO TEMPORE AG. Mit seiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist er ein Pionier auf dem Gebiet der fraktalen Börsenanalyse. Mittels komplexen Computersystemen ermittelt das Analysehaus anhand von Kursdaten menschliche Verhaltensmuster, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die unmittelbar folgende Kursbewegung schließen lassen. Der Eigenhandel des Unternehmens nach dieser Methode läuft nachprüfbar seit mittlerweile mehr als drei Jahren. In diesem Zeitraum konnten ursprünglich angestrebte Performanceziele von durchschnittlich 2% pro Monat deutlich überschritten werden. Dabei zeigt sich die Fraktal-Analyse als krisenresistenter Weg im Umgang mit den Finanzmärkten: Weder die Finanzkrise noch sehr plötzlich eintretende Ereignisse, wie der Flash-Crash oder die katastrophalen Ereignisse in Japan konnten den Handel negativ beeinflussen. Institutionelle Investoren können die Signalsysteme seit Jahresanfang 2011 in ihre eigenen Portfolios und Produkte wie Fonds, Managed Accounts und Zertifikate integrieren.

 

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