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Politisch gesteuerte Märkte stören den Handel
2011-07-12 08:21 von chili-assets (Kommentare: 0)
Fundamentale Analyse und auch
charttechnische Marktbewertungen funktionieren meist bestens, wenn die Märkte
sich relativ frei von politischen Interventionen entwickeln. Vor kurzem
allerdings hat die Internationale Energieagentur (IEA) die strategischen
Ölreserven angezapft. Sie will 60 Millionen Barrel in den Markt pumpen und
greift damit massiv in die Marktwirtschaft ein.
Eigentlich ist ein Anzapfen der strategischen Ölreserven nur für den absoluten Notfall angedacht. Aufgebaut wurde diese Reserve von den Industrienationen nach der Ölkrise in den 70er Jahren. Und in den letzten 30 Jahren wurde ebendiese nur zweimal angezapft: Das erste Mal während des Golfkrieges 1991 und danach erst wieder im Jahr 2005 als Hurrikan Katrina wütete.
Die jetzige Begründung der IEA „Größere Engpässe im Ölmarkt bedrohen die ohnehin fragile weltweite Konjunkturerholung“, erscheint daher doch stark konstruiert, da ein Engpass der Öl-Versorgung gar nicht sichtbar ist. Folglich erleben wir gerade einen Eingriff, der vermutlich insbesondere der angeschlagenen amerikanischen Konjunktur auf die Sprünge helfen soll.
Kritik an der massiven Intervention mussten sich die Verantwortlichen berechtigterweise von der OPEC gefallen lassen. Mit einem vorübergehenden Einbruch des Ölpreises von ca. 10% haben die USA ihr Ziel jedenfalls erreicht und den Preis für die Sorten Brent und WTI zeitweise unter die 100-USD-Marke drücken können. Die Aktivierung dieses Notfallinstruments zeigte allerdings auch Auswirkungen auf die Preise von etlichen anderen Rohstoffen. Edelmetalle, die bereits im Mai einen deutlichen Preisrutsch zu verzeichnen hatten, waren zeitweise erneut günstiger zu haben.
Analysten und Tradingteams dürften sich mit dieser Art der Preismanipulation allerdings eher schwer tun. Die Verzerrung der Marktbedingungen führt im Handel zu schwer prognostizierbaren Kursmustern und Kursentwicklungen. Und starke Kursrückgänge stellen immer auch eine besondere Herausforderung an das Risiko- & Moneymanagement dar.
Gefährlich sind derart große Markteingriffe für Investoren allemal. Rohstoffe sind mittlerweile zum Modetrend in der Finanzbranche geworden. Ihre Verbreitung in den Portfolios der Anleger ist in den letzten Monaten sehr stark gewachsen. Daher dürfte der Juni wohl etlichen Rohstoff-Liebhabern schlecht in Erinnerung bleiben. Im Managed Account Bereich fällt ebenfalls auf, dass Konten, in denen Rohstoffe gehandelt werden, im Juni ungewöhnlich hohe Rückschläge zu verzeichnen hatten.
Im Rohstoff-Bereich ist derzeit allerdings ein Rückgang zur Normalität in Sicht. Falls es sich – wie von einigen Experten vermutet – jedoch tatsächlich bei Rohstoffen um eine Blasenbildung handelt, werden Anleger, die auf eine vernünftige Risikoabsicherung zurückgreifen können, wie sie auch viele Managed Accounts bieten, langfristig wohl die besseren Karten haben.


