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„Verschwundene“ Kundengelder bei MF Global
2011-11-10 12:29 von chili-assets (Kommentare: 0)
Als Schock für die Investment-Branche hat sich die Nachricht der Pleite des US-Brokerhauses MF Global erwiesen. Das börsennotierte Unternehmen stellte am 31. Oktober Antrag auf Gläubigerschutz gemäß Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. MF Global zählte zu den wichtigsten internationalen Brokerhäusern für Terminkontrakte und Optionen sowie OTC-Derivate.
Betroffen von der Pleite sind in diesem Fall möglicherweise nicht nur Gläubiger, sondern eventuell auch Wertpapierunternehmen, die über MF Global abwickeln. Zwar werden die Guthaben der Kunden separat geführt, so dass eigentlich kein Schaden auf Kundenseite entstehen kann. Wie die New York Times berichtete, sollen im Fall MF Global allerdings Kundengelder in Höhe von 700 Mio. Euro „verschwunden“ sein.
Trader berichteten, dass MF Global London keine Aufträge mehr bearbeite und sie nicht einmal mehr offene Positionen schließen konnten. MF Global Chicago ließ Kunden zwar offene Positionen schließen, ein Transfer der Gelder an einen anderen Broker sei derzeit allerdings nicht möglich. Für jeden Vermögensverwalter ist ein solches Szenario der ultimative Alptraum im Handel. Trader, deren Managed Accounts in unserer Datenbank gelistet sind, sind auf Stand unserer aktuellen Recherchen allerdings nicht von der MF Global-Pleite betroffen. Die Nachricht führte jedoch weltweit zu einem deutlichen Abkühlen des Handels von Termingeschäften bei Gold, Rohöl und Getreide.
Im Fall MF Global besteht der Verdacht, dass das Brokerhaus widerrechtlich auf treuhändisch zu haltende Kundengelder für den Eigenhandel zugegriffen habe. Schlüsselfigur ist offenbar der ehemalige US-Gouverneur von New Jersey und Ex-Chef der Investmentbank Goldman Sachs John Corzine, der im vergangenen Jahr die Unternehmensführung von MF Global übernommen hatte. Corvine soll den Unternehmensbereich verstärkt von der Tätigkeit als Broker hin zu einer Investmentgesellschaft verlagert und sich im Eigenhandel massiv mit der Spekulation auf europäische Staatsanleihen verhoben haben. Damit ist MF Global das erste amerikanische Unternehmen, das der europäischen Schuldenkrise zum Opfer fällt. Die US-Behörden prüfen derzeit, ob MF Global tatsächlich Kundengelder für eigene Geschäfte verwendet habe. Sollte sich der Verdacht bestätigen und Kundengelder tatsächlich teilweise nicht zurück gezahlt werden können, könnte dies auch gegenüber anderen Brokerhäusern zu massivem Misstrauen führen. In jedem Fall ist die Nachricht ein bedauerlicher Start in den Handelsmonat November.


