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1,20 EUR/CHF die SNB bittet zum Tanz
2011-09-13 11:23 von mpapen (Kommentare: 0)
Ein Kommentar von Carl-Wilhelm Düvel
Nun ist es soweit, die Schweizerische Nationalbank hat sich nach 2008 jetzt wieder auf einen Wechselkurs Euro/Schweizer Franken festgelegt. Vielleicht, weil der fortschreitende Höhenflug des Franken aus Sicht der exportabhängigen schweizerischen Wirtschaft in der Tat spekulative Gedanken nährt, dass die Wechselkursentwicklung die Wirtschaft abwürgen könnte.
Die Wirtschaftsdaten der jüngsten Zeit, die als Indikator herangezogen werden könnten, können das aber nicht bestätigen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs erwartungsgemäß mit 0,4% etwas weniger als im Vorquartal. Der Einkaufsmanagerindex von procure.ch verschlechterte sich nicht, die Konsumentenpreise gaben sogar mehr als erwartet nach. Da auch die Beschäftigung weiter wächst – was der Pressemitteilung des Bundesamtes für Statistik vom 02.09.2011 zu entnehmen ist – scheiden die klassischen Indikatoren für eine stotternde Wirtschaft aus.
Dennoch sah es die SNB jetzt an der Zeit, sich auf einen Mindestkurs von 1,20 Euro/Schweizer Franken festzulegen. Diesen will sie nach eigenen Angaben auch vehement verteidigen, so wie sie es 2008 und 2009 auch getan hat.
Das Ziel auf diese Weise die Märkte und damit den Franken zu beruhigen, kann sie nicht haben. Als sich die SNB Ende 2008 auf einen Mindestkurs EUR/CHF bei 1,50 festlegte, folgte eine Phase der Auseinandersetzung zwischen Märkten und der Notenbank. Immer wieder wurde der Wechselkurs an die 1,50er Marke gehandelt, immer wieder intervenierte die Notenbank, verbal und als Marktteilnehmer.
Als Ende 2009 dieses Kurslevel nicht mehr zu halten war, senkte die SNB ihre Zielvorstellung auf die 1,45 EUR/CHF. Die Reaktion des Marktes war identisch zu der im Jahr zuvor - auch diesmal folgte eine Phase des Grabenkrieges um die 1,45, der Mitte 2010 für die Notenbank verloren ging. Verstärkt durch die anwachsende Euro-Krise und das fehlende Vertrauen der Anleger in den US-Dollar ging der Franken in die Talfahrt über, die ihn bis in den Bereich um 1,1030 brachte.
Manche Kursmarken lösen völlig abgehoben von fundamentaler Begründbarkeit den unwiderstehlichen Reiz aus, den momentanen Wechselkurs gewissermaßen „dorthin zu handeln“. Wenn darüber hinaus die SNB die Verteidigung bestimmter Kurslevel verkündet, kann sich der Anleger auf ein bekanntes Szenario einstellen.
Der Kurs EUR/CHF wird, flankiert von Wirtschaftsnachrichten aus der Eurozone und den USA, den Bereich zwischen 1,20 und 1,00 volatil nutzen bist feststeht, wer den längeren Atem hat. Es wird für die Schweizerische Notenbank schwer, dies für sich zu beanspruchen. Ihre monetären Möglichkeiten sind eher endlich, als die der auf Spekulation ausgerichteten Märkte. Wenn sich die Eurokrise weiter ausdehnt, was angesichts der neueren Nachrichten aus Italien und dem offensichtlichen Versagen griechischer Wirtschafts- und Finanzpolitik wahrscheinlich ist, wird der Franken nichts von seiner Stärke verlieren.
Solange die Daten zur schweizerischen Wirtschaftslage keinen Anlass zur Sorge geben, droht auch die neu zu erwartende Auseinandersetzung mit den Märkten für die Schweizerische Notenbank verloren zu gehen.
Carl-Wilhelm Düvel ist Forex-Spezialist und Manager des neu über Intercore Financial aufgelegten Managed Accounts `MavaFX´. Informationen zu seinem Handel stehen Ihnen nach unserem Prüfungsverfahren auch auf chili-assets.de zur Verfügung.


