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2012: Long? Short?
2012-01-25 10:10 von chili-assets (Kommentare: 0)
Es ist zum Jahreswechsel eine gängige Praxis einen Blick in die Glaskugel zu riskieren. Medien und Investoren sind neugierig zu erfahren, welche Entwicklung Anlageexperten vom neuen Jahr erwarten. Und sicherlich nutzen einige Investoren die generierten Informationen, um ihre Portfolios gemäß den Einschätzungen renommierter Anlagestrategen auszurichten. Noch wesentlich interessanter ist es zu prüfen, wie zutreffend die Prognosen waren, die vor genau einem Jahr abgegeben wurden. Gibt es Gründe, warum die auf intensiver Recherche basierenden Jahresausblicke mehr und mehr in Vergessenheit geraten, je näher man dem 31. Dezember kommt? Tatsächlich ist es in manchen Jahren besser, Prognosen nicht zu beachten. Und das galt insbesondere für das vergangene Jahr.
So sahen noch vor 12 Monaten die Analysten von 13 renommierten Finanzinstituten deutsche Aktien klar auf der Überholspur. Die optimistischste Prognose kam zu dieser Zeit aus dem Hause Silvia Quandt Research. Die Analysten erwarteten einen DAX-Stand zum Jahresende von 9.000 Punkten. Auch die Einschätzungen von FPM (8.800 Punkte) und der Commerzbank (8.200 Punkte) fielen ähnlich optimistisch aus. Insgesamt erwarteten 11 der 13 befragten Institute einen Anstieg bei deutschen Aktien bis zum Jahresende 2011.
Nur zwei Banken, die HSH Nordbank (6.800 Punkte) und die Helaba (6.200 Punkte) rechneten mit fallenden Kursen deutscher Standardwerte. Mit ihren Einschätzungen kamen sie jedoch nicht in den Bereich des tatsächlichen Endergebnisses von 5.895 Punkten. Tatsche ist, dass Anleger aus der vergangenen Jahresprognose keine brauchbaren Anhaltspunkte für die Ausrichtung eines Portfolios generieren konnten. 2011 ist deutlich anders verlaufen, als so mancher Profi es erwartet hatte.
Bereits im Intradayhandel von Aktien, Devisen und Rohstoffen ist es unmöglich morgens den Tagesendstand zu erraten. Börse ist zu komplex um exakte Prognosen stellen zu können und je langfristiger der betrachtete Zeitraum für eine Prognose ist, desto stärker weicht das Endergebnis im Normalfall vom Erwartungswert ab. So kann man den Verlauf einer Kugel auf einem Billardtisch zwar über wenige Banden hinweg relativ exakt auf Basis des Abstoßwinkels ermitteln. Kleinste Unebenheiten der Tischplatte können jedoch schnell dazu führen, dass die Kugel (ausreichend Schwung vorausgesetzt) bereits nach einigen Bandenberührungen ganz woanders landet, als man es mathematisch berechnet hatte. Ähnliche „Unebenheiten“ beeinflussen auch das tagtägliche Börsengeschehen, so dass der Aussagekraft einer auf 12-Monate angelegten DAX-Prognose praktisch keine Bedeutung beigemessen werden darf.
Für 2012 wurde die Umfrage über die DAX-Entwicklung auf 18 Banken ausgeweitet. Vor dem Hintergrund der Schuldenkrise blicken Analysten im Vergleich zum Vorjahr nur verhalten optimistisch in die Zukunft. Fünf der befragten Institute erwarten einen DAX-Stand, der sich zum Jahresende oberhalb der 7.000-Punkte-Marke befindet. Den größten Optimismus zeigt in diesem Jahr die HSH Nordbank, die den DAX bis zum Jahresende ein Wachstumspotential bis auf 7.400 Punkte einräumt. Doch auch die meisten anderen Banken sehen Gewinnpotential bei deutschen Aktien. Nur zwei Institute, bereiten sich auf fallende Kurse vor. Die Société Générale sagt einen Stand von 5.500 Punkten voraus. Noch pessimistischer (5.400) ist Morgan Stanley eingestellt.
Sehr oft ist bei diesen Prognosen zu erkennen, dass die Stimmung der Märkte in den letzten Handelsmonaten des alten Jahres für die Berechnung des DAX-Standes des neuen Jahres ausschlaggebend ist. Nach den herben Rückschlägen durch die Finanzkrise waren die Märkte noch vor einem Jahr dabei, sich in Richtung ihrer alten Hochs zurückzukämpfen. Es war die Verschärfung der Schuldenkrise, die dieser Kalkulation einen klaren Strich durch die Rechnung gemacht hat.
Nach der extrem volatilen Kursentwicklung der Aktienmärkte im zweiten Halbjahr 2011 ist zum Jahresende verhaltener Optimismus unter den Marktteilnehmern aufgekeimt. Es besteht die Hoffnung, dass sich die Kursentwicklung in gewissem Umfang vom Einfluss politischer Hiobsbotschaften lösen kann. Mit einer plötzlichen Lösung der Schuldenkrise rechnet hingegen kaum ein Investor.
Long oder Short, diese Frage kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschließend beantwortet werden. Fakt ist, dass plötzliche Stimmungswechsel an der Börse langfristig orientierten Investoren die Kalkulation schnell zunichte machen können und für unerwartet hohe Verluste verantwortlich sind. Investoren, die sich aufgrund ihrer Investments ausschließlich auf der Long-Seite befinden, verfügen grundsätzlich über nur wenig Handlungsspielraum. In schwierigen Marktphasen werden die Vorteile vieler Managed Account Strategien sehr deutlich sichtbar. Denn in diesen Phasen gewinnt Flexibilität erheblich an Bedeutung. Positionseröffnungen und –schließungen können im Managed Account Bereich mitunter sehr kurzfristig getätigt werden. Dies hilft zum einen Gewinnchancen zu nutzen, die sich nur sehr kurzfristig bilden, andererseits jedoch auch schnell die Notbremse zu ziehen, wenn plötzlich die Risiken im Markt die Oberhand gewinnen. Darüber hinaus lässt sich ein Portfolio mit den drei Investitionszuständen „long“, „neutral“ und „short“, sehr flexibel an das aktuelle Marktgeschehen anpassen.
Die Frage nach dem möglichen Jahresendstand eines einzelnen Aktienindex stellt sich den meisten Tradern und Tradingteams daher nicht. Für den Handel sind kurzfristigere Zeitabschnitte von Bedeutung. Marktsituationen von einigen Sekunden, bis hin zu mehreren Wochen oder gar Monaten können gleichermaßen genutzt werden. Indem man sich im Handel auf mehreren Zeitebenen – durchaus auch gleichzeitig – bewegen kann, findet sich auch die Begründung, weshalb Managed Accounts realistisch betrachtet Renditen erreichen können, die in klassischen Kapitalanlagen nur in außergewöhnlich guten Marktsituationen zustande kommen.
Wer Kursbewegungen nutzen kann, egal in welche Richtung sich der Markt bewegt, kann mit geschicktem Handel logisch betrachtet mehr erreichen als Kapitalanlagen, deren Erfolg an steigende Kurse gebunden ist. Wie einige Vermögensverwalter in der chili-assets Datenbank für Managed Accounts zeigen, sind gute Leistungen mit einigen Strategien tatsächlich realistisch und dauerhaft erreichbar. Wer sich nicht auf die zum Jahresanfang getätigten Prognosen für 2012 verlassen möchte sondern flexibel bleiben will, für den kann es sich daher durchaus lohnen, Managed Accounts in die Portfolioplanung für 2012 mit einzubeziehen. Renditepotential sollte in der jetzigen Phase jedoch nicht der alleinige Grund für ein Investment in Managed Accounts sein. Primär ist von Bedeutung, ein Portfolio von den Turbulenzen dieser Krise zu lösen. Und auch dies kann mit Managed Accounts gelingen.


