Das Börsenlexikon - Antworten zum Thema Managed Accounts
Sharpe Ratio
Diese Risikokennziffer wurde von dem US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler William F. Sharpe erstmals 1966 erwähnt. Die Sharpe Ratio berechnet den Teil der Rendite, der oberhalb eines risikofreien Zinssatzes liegt und setzt diesen in Abhängigkeit zum Risiko (Volatilität p.a.):
Sharpe Ratio ![]()
Dabei entspricht
r = Rendite p.a.
rm = risikofreier Zins
V = Volatilität p.a.
Je höher die Sharpe Ratio, desto besser ist die Performance in Bezug auf das eingegangene Risiko zu werten. Kurzes Beispiel: Ein Managed Account erreicht in der Vergangenheit eine durchschnittliche jährliche Performance von 14 Prozent. Als risikolosen Zinssatz unterstellen wir eine jährliche Performance von 5 Prozent. Subtrahiert von der Performance des Managed Accounts erhalten wir als Ergebnis eine Überrendite von 9 %. Dividiert durch die Volatilität des Managed Accounts von 16 Prozent erhalten wir folgendes Ergebnis:
Sharpe Ratio =
= 0,5625
Der risikolose Zinssatz kann das Ergebnis dieser Rechnung maßgeblich beeinflussen. Es gibt allerdings leider keine festen Standards nach denen der risikolose Zinssatz zu ermittelt ist. Daher ist davon auszugehen, dass verschiedene Managed Account Anbieter auch unterschiedliche Zinssätze bei der Ermittlung der Sharpe Ratio ihrer Produkte verwenden. Dies macht einen Vergleich der Produkte untereinander nichtig. Bei chili-assets.de verwenden wir für alle Managed Accounts den gleichen risikofreien Zinssatz von 5 Prozent. Auch wenn dieser Wert zugegeben sehr hoch angesetzt ist, so erreichen wir durch die Standardisierung der Rechnung Ergebnisse, die den Vergleich der Accounts verschiedener Anbieter möglich machen.
Die Sharpe Ratio kann auch negative Werte annehmen. Im negativen Bereich führt jedoch ein höheres Risiko zu einer besseren (weniger negativen) Sharpe-Ratio und ist daher nicht aussagekräftig. Auch hier ein kurzes Beispiel: Anlage 1 und Anlage 2 erzielen exakt die gleiche durchschnittliche Performance von 4 % p. a.. Die Volatilität von Anlage 1 liegt bei 5 Prozent, die von Anlage 2 bei 25 %. Damit ist völlig offensichtlich, dass Investoren Anlage 1 bevorzugen sollten. Anhand der Sharpe Ratio ist der Vorteil von Anlage 1 jedoch nicht erkennbar:
Anlage 1 =
= -0,20
Anlage 2 =
= -0,04
Eine negative Sharpe Ratio stellt also lediglich fest, dass das eingegangene Risiko nicht belohnt wurde – die Wertentwicklung der untersuchten Kapitalanlage war schlechter als der risikofrei erzielbare Zins.
Beachten Sie auch die Zeiträume. Wir veröffentlichen die Sharpe Ratio nur von solchen Managed Accounts, die uns mindestens 12 Monate Performance auf einem Echtgeldkonto nachweisen können. Auch mit einer kürzeren Historie lässt sich eine Sharpe Ratio durch die Annualisierung der Ergebnisse für Performance und Risiko errechnen. Wir halten diese Werte jedoch für wenig aussagekräftig im Vergleich mit Managed Accounts die bereits seit 5 Jahren oder länger auf dem Markt sind. Fakt ist, dass die Aussagekraft der Sharpe Ratio zunimmt, je länger die Historie eines Managed Accounts ist. Denn je länger die Historie, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse nicht nur auf „Schönwetterphasen“ des Marktumfeldes beruhen.
Die Aussagekraft der Sharpe Ratio kann in bestimmten Situationen allerdings eher gering sein. Auch positive Ergebnisse, die nicht linear erreicht werden, führen zu einer hohen Volatilität und können damit den Wert für die Sharpe Ratio nach unten drücken. Ein extremes Beispiel zeigt Grafik 1: Zwei Anlagen erreichen innerhalb von 12 Monaten die gleiche sagenhafte Rendite von 60 %. In der roten Anlage 2 hätten Investoren zudem über lange Zeiträume deutlich bessere Verkaufskurse erhalten, wenn sie die Anlage vor Ablauf der 12 Monate verkauft hätten, als es bei Anlage 1 der Fall gewesen wäre. Allerdings erreicht Anlage 2 „lediglich“ eine Sharpe Ratio von 1,75, während Anlage 1 eine utopisch hohe Sharpe Ratio von 25,05 erzielt. Unfair? Ja, aber korrekt gerechnet! In solchen Fällen ist daher die sogenannte Sortino Ratio der Sharpe Ratio vorzuziehen, die positiv zu bewertende Kursschwankungen ausblendet und nur die negativen Kursschwankungen bei der Berechnung berücksichtig.
Zuletzt aktualisiert am 2010-06-24 von chili-assets.